Die Geschichte astrologischer Traditionen beginnt lange vor dem modernen Zeitungshoroskop. In frühen Hochkulturen wurden Sonne, Mond und sichtbare Planeten aufmerksam beobachtet, weil ihre wiederkehrenden Bewegungen für Kalender und Jahreszeiten wichtig waren. In Mesopotamien entstanden umfangreiche Aufzeichnungen zu auffälligen Himmelsereignissen. Solche Beobachtungen wurden nicht nur praktisch genutzt, sondern auch in religiöse und politische Vorstellungen eingebunden. Mit der Zeit entwickelten sich feste Tabellen, Kategorien und Regeln. Diese frühen Systeme waren noch kein persönliches Horoskop im heutigen Sinn. Sie zeigen aber, wie eng Himmelsbeobachtung, Zeitrechnung und Deutung damals miteinander verbunden waren. Um alte Quellen richtig zu verstehen, muss man deshalb ihren jeweiligen historischen Kontext mitdenken.
Über Handelswege, Eroberungen und Übersetzungen gelangten astronomische Kenntnisse und Deutungssysteme in andere Regionen. Besonders im hellenistischen Umfeld wurden ältere babylonische Beobachtungen mit griechischer Mathematik und Philosophie verbunden. In dieser Zeit gewann die individuelle Geburtsdarstellung an Bedeutung. Die Stellung von Himmelskörpern zum Zeitpunkt einer Geburt wurde stärker systematisiert, und auch Tierkreis, Häuser und Winkelbeziehungen erhielten Formen, die später weiterentwickelt wurden. Viele Fachbegriffe moderner astrologischer Texte haben hier historische Vorläufer. Entscheidend war die Verbindung von Rechnen und Deuten: geometrische Positionen wurden bestimmt und anschließend mit symbolischen Bedeutungen verknüpft.
Im Mittelalter wurden ältere astronomische und astrologische Texte in verschiedenen Sprachräumen weitergegeben, kommentiert und ergänzt. Gelehrte im arabischsprachigen Raum übersetzten zahlreiche Werke, entwickelten Rechenverfahren weiter und arbeiteten mit Instrumenten zur Beobachtung des Himmels. Später gelangte ein Teil dieses Wissens über Übersetzungszentren nach Westeuropa. An Höfen und Bildungsstätten waren Astronomie und Astrologie zeitweise eng miteinander verbunden. Eine klare Trennung, wie wir sie heute kennen, entstand erst nach und nach. Übersetzungen veränderten außerdem Begriffe und Schwerpunkte. Deshalb existierten schon damals unterschiedliche Fachsprachen und Schulen, die ähnliche Grundlagen verschieden erklärten.
Mit präziseren Beobachtungen und neuen Modellen des Sonnensystems änderte sich die Rolle der Astrologie. Astronomische Forschung entwickelte zunehmend eigene methodische Regeln, während astrologische Deutungen stärker in philosophischen, kulturellen und später populären Zusammenhängen weiterlebten. Der Buchdruck trug dazu bei, Kalender und Almanache einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Gleichzeitig wurde intensiver darüber diskutiert, was sich berechnen und beobachten lässt und was auf symbolischer Auslegung beruht. Diese Entwicklung ist wichtig für das Verständnis heutiger Horoskope: Sie verwenden teilweise sehr alte Begriffe, gehören aber nicht zur modernen Astronomie.